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Kirchmöserbus und Arbeitsamt

(P)

BRAWO und Preußenspiegel; beide: Sonntag, 09.März 2003

05.März 2003

B. St. Fjøllfross
Wäre es möglich, den genialen Strategen zu ermitteln, der uns im Zuge der Fahrplangestaltung die sinnlose Busverbindung E tagsüber nach Bahnhof Kirchmöser beschert hat?

Während die Züge in Richtung Berlin für jedermann ersichtlich 11 Minuten nach der jeweils vollen Stunde den Bahnhof Kirchmöser verlassen, kommt der Zubringerbus 14 Minuten nach an. Das heißt, für jeden der des Grundrechnens mächtig ist, drei Minuten nach der Abfahrt der Eisenbahn. Reife Leistung! Mit den Folgen, daß

1. der Parkplatz am Kirchmöseraner Bahnhof rappelvoll ist, die Busse dagegen gähnend leer.

2. die Fahrgäste mit ihren Verbund- und Monatskarten den Weg zum Bahnhof oft doppelt bezahlen, während die Brandenburger Verkehrsbetriebe im für sie günstigsten Fall Geld für nichts kassieren.

3. Im weniger günstigen Fall gehen ihnen Einnahmen flöten, weil die Leute halt von vornherein wissen, daß sie mit der Buslinie E nichts anfangen können.

Wer einen Fahrplan für eine Verkehrslinie zu einem Bahnhof plant, sollte sich doch mal zumindest über den dort herrschenden Zugfahrplan informieren, da sich die Bahn gewiß nicht nach den regionalen Bussen und Straßenbahnen richten wird. Nun stellt sich ernsthaft die Frage, ob unser obengenannter Stratege für diesen Schildbürgerstreich auch noch entlohnt, wenn nicht gerade befördert wurde, oder ob er wie viele andere, weitaus qualifiziertere Mitbürger unserer Stadt den Weg zum ->

Arbeitsamt der Stadt Brandenburg

antreten mußte, wobei wir schon bei meinem zweiten Thema wären: „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu!“, lehrte uns schon Wilhelm Busch.

Ich habe kürzlich im Kreise meiner engeren Bekanntschaft mit eigenen Ohren Gelegenheit gehabt, den unmöglichen Ton zu registrieren, den einige im Arbeitsamt angestellte Herrschaften ihrer Klientel gegenüber anschlagen.

Ich frage diese Beamten allen Ernstes: „Sind Sie sich überhaupt dessen bewußt, wo Sie arbeiten?? Oder glauben Sie, die Fliege, die auf der Klatsche sitzt, kann nicht geklatscht werden?“ Es mag sein, daß unter den Besuchern des Arbeitsamtes ein gewisser ständiger Prozentsatz an arbeitsscheuem und asozialem Volk vertreten ist. Daß man diese Leute nicht mit Samthandschuhen anfassen sollte, darüber herrscht wohl allgemeiner Konsens. Aber alle über einen Kamm zu scheren, nicht mehr zu differenzieren, wem man gegenüber sitzt und das bei der notorischen und eklatanten Fehlleistung dieser Behörde – dieses Verhalten ist unerträglich! Ich richte an die Adresse der von mir angesprochenen Beamten und Angestellten drei Punkte, die ich zu überdenken bitte:

1. Reden Sie mit den Leuten, als wären es ihre Freunde oder aber Vorgesetzte, von deren Beurteilung der Erhalt Ihres Arbeitsplatzes abhinge!

2. Vergegenwärtigen Sie sich, daß gerade im Stadtgebiet von Brandenburg an der Havel mit seiner desolaten Wirtschaftslage viele Menschen durch Arbeitslosigkeit in eine regelrechte Lebenskrise und Misere fallen, der Sie nicht noch durch ihre Art mit diesen Menschen umzugehen, eins drauf setzen müssen.

3. Verdienen Sie statt dessen lieber Ihre Brötchen! Kümmern Sie sich in der Zeit, in der Sie in Not geratene Zeitgenossen anraunzen und wie Menschen zweiter Klasse behandeln! Vermitteln Sie Arbeit anstatt Elend zu verwalten und wenn Ihnen das nicht gelingt, dann danken Sie Gott, daß Sie noch welche haben und entwickeln Mitgefühl für die, die nicht so glücklich sind. Kämpfen Sie nicht so sehr mit Ihren Formular- und Aktenbergen, sondern mehr für Lohn und Brot Ihrer Klientel!

Es gibt Kollegen und Kolleginnen aus Ihren Reihen, die Ihnen bei der Umsetzung dieser Forderungen durchaus ein Vorbild sein können. Hochanständige und feine Leute! Ich werde nicht hinnehmen, daß Sie, indem Sie den Ruf Ihrer Behörde mit Ihrem Verhalten schädigen, diese wirklich engagierten Mitarbeiter ebenfalls desavouieren. Ich hätte mir die Mühe dieser Niederschrift erspart, wenn das, was ich an dieser Stelle moniere, nicht schon teilweise Stadtgespräch wäre.
Ich mahne also noch einmal an: Kundendienst und Kundenfreundlichkeit sind das Gebot der Stunde und nicht das Schaffen von Haß, Neid und Verbitterung. Kein Arbeitsplatz ist mehr sicher in dieser Zeit der Wirtschafts-Depression – auch Ihrer nicht! Und wenn es Ihnen ans Leder geht, werden Sie dankbar sein für jede Hand, die sich für Ihre Sache erhebt. Es ist aber nicht anzunehmen, daß sich irgend jemand für Sie ins Zeug legt, dessen Angehöriger, Freund oder gar er selbst von Ihnen behandelt wurde, wie eine geistig retardierte Rotzgöre. Eher ist vom Gegenteil auszugehen. Lassen Sie es also nicht dahin kommen!

1.Volumen
© B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2003