Baaks

zurück zum Landboten

 

Weimarer Zustände

Frau cand. med. dent. Evelyn Hübner
zum 38. Hochzeitstag

Michael L. Hübner. Brandenburg an der Havel. In Frankreich wurde ein Mann erschossen. Wahrscheinlich ist das bereits Alltag bei unseren westfränkischen Vettern. Tragisch ist es dennoch und vielleicht gerade deswegen und die ganze Sache wird noch übler durch den Umstand, dass es sich um ein politisches Assassinat handelt.

Die extreme Linke hat einen Vertreter der französischen Faschisten über den Haufen geballert. Nun fragt man sich, wie nach all den furchtbaren Opfern, welche die Résistance zur Befreiung Frankreichs vom Faschismus gebracht hat, in Frankreich so etwas wie Faschismus überhaupt wieder das Gorgonenhaupt erheben kann.

Man kommt dem auf die Spur, wenn man sich die über Jahrzehnte hinweg verfehlte Einwanderungspolitik der Franzosen anschaut, welche derjenigen ihrer ostfränkischen Vettern in nichts nachstand. Die Banlieues von Paris, Lyon, Marseille, Grenoble usw. sprechen eine deutliche Sprache. Auch die Franzosen saßen dem Irrtum auf, dass billige Arbeitskräfte aus den ehemaligen Kolonien und Übersee ein folgenloses Geschenk Gottes an ihre Nation seien. Die Folgekosten einer auswuchernden und die französische Gesellschaft komplett überfordernden, völlig kulturfremden multiethnischen und multinationalen Diaspora bespielten die xenophobe Klaviatur vor allem einfacher Franzosen geradezu virtuos.

Der alte Le Pen witterte Morgenluft und der französische Faschismus ritt auf dem fahlen Klepper des Nationalismus wieder auf die politische Bühne und in den Assemblée Nationale.

Unter dem Eindruck einer zunehmenden Staatsverschuldung und einer schwächelnden Wirtschaft, die sich im postkolonialen Zeitalter zunehmend der Herausforderung wachsender Ressourcenverknappung und zunehmend umkämpfter Absatzmärkte stellen muss, verschärfen sich auch die innerfranzösischen Verteilungskämpfe.

Das ist, wie wir seit der Weimarer Republik wissen, der ideale Nährboden für die Stärkung extremer Kräfte in der Gesellschaft, die fortwährend das Paradies auf Erden versprechen, das aber mit Ausnahme ihres eigenen Umfelds niemals umsetzen, womit die deutsche AfD bereits mit ihrem Verwandten-Versorgungssystem der Postenzuschiebung auf Steuer- und Parteikosten bereits beginnen, lange bevor sie auch nur in die Nähe einer Regierungsverantwortung auf Landes- oder Bundesebene gelangen.

Die simplen Lösungen bringen es eben nicht und das Prinzip der korrumpierenden Macht geht niemandem aus dem Wege und findet gerade bei den Radikalinskis den regelmäßig größten Zuspruch. Wer aus der Oktoberrevolution nichts gelernt hat, kann getrost die letzte funktionierende Hirnzelle auch noch das Klo hinunterspülen: Auf die kommt’s dann auch nicht mehr an. Die vegetativen Hirnregungen wie Fressen, Saufen, Atmung, Ausscheidung und Sexualtrieb besorgen dann die Amygdala und das Archencephalon.

Das können die gut, das machen die schon seit sechshundert Millionen Jahren mit durchschlagendem, evolutionären Erfolg.

Was wir noch aus der Weimarer Republik kennen, ist die von purer Gewalt geprägte Auseinandersetzung zwischen den extremen Kräften. Die Nächte der langen Messer, die ins Krankenhaus eingelieferten Schwerverletzten dieser bürgerkriegsähnlichen Kampfhandlungen – Kästner schrieb, man hätte die Rot-Front-Kämpfer an ihren Schuss- und die SA-Schläger an ihren Stichwunden erkannt – das alles liest sich wie eine Blaupause für die Entwicklungen, die sich derzeit wieder in Frankreich abzuzeichnen beginnen.

Haben wir es also mit dem Tod des 23jährigen Quentin Deranque also um eine Neuauflage des Todes von Horst Wessel zu tun? Wird demnächst der Flugzeugträger Charles de Gaulle in Deranque umbenannt?

Das mag jetzt überspitzt klingen – aber die Perspektive dämmert unübersehbar am Horizont herauf.

Die Deutschen sind behäbiger mit ihren politischen Umstürzen, sie sind Zipfelmützenträger.

Die Place de Greve befindet sich in Paris. Wenn aber in Deutschland derselbe stinkende Knoten platzt, dann wäre das, was dann wieder über die Völker Europas und initial auch über das deutsche Volk kommt, weitaus schlimmer, als wir uns das auch nur ansatzweise vorstellen könnten. … oder brauchen wir gar keine Phantasie? Wir hatten das Dritte Reich doch schon mal mit all seine Gestapo-Folterhöllen, Konzentrations- und Vernichtungslagern, den HJ-Gören, die ihre eigenen Eltern anschwärzten, dem ekligen KdF-Gemütlichkeits-Spießbürger-Geschunkel, den Pogromen gegen Juden und Zigeuner und der abschließenden Ruinenlandschaft.

Die Schüsse auf Deranque sind eine unmissverständliche Warnung. Das vor allem hinsichtlich dessen, dass es just die ehemaligen demokratischen Kräfte in Deutschland sind, welche gerade aus einem propagierten Schutzverständnis für die Demokratie heraus dabei sind, in Deutschland die nächste Autokratie vorzubereiten.

32. Volumen
© B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2003
23.02.2026