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Don M. Barbagrigia. Havelsee. Als Thomas Jefferson mit seinen Mitverschwörern aus Unwillen darüber, dass sie an einen weit entfernten Monarchen Steuern bezahlen sollen, die amerikanische Verfassung ersonnen, schufen sie damit eines der verheucheltsten Staatsdokumente der Welt. Die Freiheit und Gleichheit aller Menschen vor Gott, von denen Jefferson bereits in der Präambel schwadronierte, bezog sich ausschließlich auf weiße Männer mit Grundbesitz. Alle anderen waren schlichtweg für diese „Revolutionäre“ keine Menschen: Nicht die Frauen, nicht die Neger – von denen sich Jefferson übrigens 600 als Sklaven hielt, die seinen immensen Reichtum erwirtschafteten – nicht die Indianer oder sonst wer. Nur er und seinesgleichen repräsentierten die Krone der Schöpfung seines Gottes. Doch eines muss man ihm lassen: Als er die Verfassung ersann, schwebte ihm eine Abkehr von zentralistisch organisierten Verwaltungsstrukturen vor, deren Aufgabe lediglich darin bestand ein Staatswesen zu perpetuieren, welches auf Konzentration von Macht ausgelegt war. Die Regierung sollte seines Erachtens nur eine Verwaltungsspitze darstellen, welche durch andere Gewalten, wie zum Beispiel einem zweikammerigen, zustimmungspflichtigen Abgeordnetenhaus, der Jurisdiktion und der Judikative oder einer freien Medienlandschaft kontrolliert werden müsse. Diese repräsentative parlamentarische Demokratie stand mit Sicherheit auch Pate, als die Mütter und Väter des Grundgesetzes dieses nach den entsetzlichen Erfahrungen eines völlig außer Kontrolle geratenen Führerstaates entwarfen. Auch hier bildet sich ein auf den Ebenen der Gemeinden, der Länder und des Bundes gleichlautendes Prinzip ab: Die Wählervertretungen, heißen sie nun Gemeinderat, Stadtverordneten-Versammlung, Länderparlament oder Bundestag und Bundesrat, entwerfen Gesetze, die entsprechend der vorherrschenden Mehrheiten angenommen oder eben verworfen werden. Die Regierung hat innerhalb der herrschenden Gesetzeslage das Land optimal zu verwalten … sonst gar nichts! Dem Kanzler ist es nach Art. 65 GG noch vergönnt, die Richtlinien der Innen- wie der Außenpolitik vorzugeben und fertig ist die Laube. Keinesfalls aber haben weder er noch sein Kabinett sich autokratische Kompetenzen anzumaßen und nach Gutsherrenmanier durchzuregieren. Dass die Grenzen zwischen rechtsstaatlichem Agieren und diktatorischen Allüren dünn sind, ist uns bewusst. Viel hängt von entsprechenden Definitionen ab, deren Interpretationsrahmen einer ständiger Diskussion ausgesetzt ist. Dennoch gibt es zuverlässige Indikatoren, die darauf hinweisen, dass eine Regierung bereits auch ohne Feststellung seitens des Bundesverfassungsgerichtes den Boden des Grundgesetzes verlassen hat. Die eklatante Missachtung des formulierten Wählerwillens, offenkundiger Wahlbetrug und eine die Freiheit der Persönlichkeit einengende Regulierungswut, die bereits in freiheitliche Grundrechte eingreift, die sich Meinungshoheit anmaßt, die Verfolgung und Diskriminierung Andersdenkender unterstützt und betreibt und dabei inflationär irgendwelche konstruierten, rechtfertigenden Notfälle zitiert, sind solche Marker, die ein Staatsvolk im höchsten Maße alarmieren sollten. Dieser Aufsatz lässt sich einer Überdehnung billig entziehen, wenn wir nur das Beispiel anführen, ob es sich irgendein Dorfbewohner gefallen lassen würde, wenn der Dorfschulze ihm ab sofort das Abonnement der Berliner Zeitung verbietet. Klingt lächerlich? Na, dann versuchen Sie mal den kremltreuen Sender RT zu empfangen! Das ist nichts anderes. Man mag zu den Russen und ihrer Sicht der Dinge stehen, wie man will – dass Moskaus Propaganda auch nicht unentwegt auf dem Altar der Wahrheit opfert, dürfte selbst einem grenzdebilen Informationskonsumenten klar sein – aber diesen Kanal zu sabotieren, entspricht eins zu eins einer Entmündigung und Bevormundung des Bürgers. Das ist ein knallhartes Alleinstellungsmerkmal eines Unrechtsstaates mit autoritären Ambitionen! Formulieren wir das zu hart? Wirklich? „··· – “ Sagt Ihnen das Folgende noch etwas: Dreimal kurz, einmal lang – der Morsecode für den Buchstaben „V“, für „Victory“, den „Sieg“. Das war das Erkennungszeichen der BBS in den dunklen Tagen des Zweiten Weltkriegs. Man hörte das besser unter dem Kopfkissen, denn wenn man erwischt wurde, dann kostete das Abhören des Feindsenders unweigerlich und im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf. Auch in Nordkorea werden die Dinge ähnlich gehandhabt und möglicherweise sogar in Russland. Das wissen wir nicht. Man sagt so. Nun haben wir aber auch nie behauptet, dass Väterchen Zar Wladimir Wladimirowitsch ein ausgewiesener Demokrat ist. Das war der zu keiner Zeit. Wäre er das je gewesen, dann würden seine Gebeine längst auf dem Nowodewitschi-Friedhof ruhen und kein Aas würde sich mehr an seinen Namen erinnern. Byzanz und seine Erben funktionieren nach anderen Gesetzen und Dynamiken der Macht. Womit wir nicht behaupten, dass der Zar ein Alleinherrscher sei. Was viele unwissende und gehirngewaschene Schwachköpfe bis hoch in die obersten Brüsseler Entscheidungsebenen hinein weder ahnen noch begreifen, ist, dass es in Russland seit einem Jahrtausend ein Pentagramm der Macht gibt, von dessen Ecken oder Spitzen der Zar bestenfalls eine besetzt und die anderen vier nach bestem Vermögen auf Linie bringen muss. Ein Fehler – und er ist erledigt. Diese anderen Eckpunkte werden gehalten von der Kirche, den Strelitzen oder heute den Militärführern, den Fürsten und Bojaren oder heute den Bezirksgouverneuren, Bürgermeistern der großen Städte und den Oligarchen und letztendlich das Volk. Wer aber denkt, das Volk artikuliere seinen Wille über die Duma, macht sich lächerlich. Die Duma ist ein Kasperle-Theater – eine Horde stimmloser Statisten, eine Jasager-Bude wie die Volkskammer unseligen Angedenkens. Die wichtigen Dinge werden hinter verschlossenen Türen ausgehandelt. Dort entscheidet sich auch, wer überlebt und wer ausscheidet. Vor- und Nachteil des Zaren ist – er muss sich nur selbst mit sich einig sein, denn er ist nur eine einzelne Person. Alle anderen Protagonisten bestehen aus vielköpfigen heterogenen Personalien, deren entscheidende Figuren der Zar kennen und nach Bedarf hinter sich versammeln, benutzen, kaltstellen, gegeneinander ausspielen, konzertieren oder ausschalten muss. Das war bei Iwan III. (dem Großen), Iwan IV., Peter dem Großen, Elisabeth, Katharina, Lenin, und bei Väterchen Erzsatan Stalin ebenso. Keine Ausnahme. Bei Nikita Chruschtschow, Boris Jelzin und Michail Gorbatschow ließ sich dieses byzantinische Machtverständnis am geöffneten Situs studieren. Das ist genau die Ursache, warum uns kleine, verkümmerte und universalbildungsferne Bürgermeister-Seelen mit besonderer Distanz zur Muse Klio, wie Merz, Wadephul, Roderich der Loderich, Baerbock und Flintenuschi zielgerichtet in den Untergang führen und zumindest ein großer Teil der in Westdeutschland sozialisierten Deutschen diesen Demagogen des Untergangs folgen wie hypnotisierte Lemminge: Sie begreifen nicht die Andersartigkeit Russlands. Sie fürchten sich nur vor ihr. Sie denken tatsächlich, sie hätten es mit ihresgleichen zu tun und agieren demzufolge, wie sie mit ihresgleichen umspringen würden. Dämlicher und selbstzerstörerischer kann man sich in einem existentiellen Konflikt nicht verhalten! Das katastrophale Desaster der Deutschen besteht darin, dass die „Bürgermeister“ Merz in Berlin und Flintenuschi in Brüssel im Gegensatz zu ihren Kolleginnen und Kollegen auf Landes- und Gemeindeebene außenpolitische Wirkung zu entfalten in der Lage sind. Die kleine verbliebene Kontaktfläche zur europäischen Geschichte lässt sie sich in schaurig-blödsinnigen Parallelszenarien suhlen, deren angeblichen Realitätsgehalt sie tatsächlich als gegeben akzeptieren: Sie halten den Zaren für einen Wiedergänger Adolfs und wollen nie wieder so naiv sein, wie Neville 1938 in München. Das wäre ja auch aller Ehren wert – wenn es denn stimmen würde. Tut es aber nicht. Die Situation ist eine völlig andere. Hier geht es nicht um die Expansion eines „Volkes ohne Raum“, wie das bei den Deutschen der Fall war, sondern es geht um eine Expansion eines „Volkes mit knapper werdenden Ressourcen“. Wir reden von den USA, die sich um jeden Preis der ukrainischen Claims und der strategischen Lage in Punkto eines perspektivischen Zugriffs auf die Ressourcen Sibiriens versichern wollen und dabei ihre seit sieben Jahrzehnten beharrlich und kontinuierlich herangezüchteten europäischen Satrapen nach vorn schicken, wie sie das schon immer taten. Decatur jr. war 1815 einer der letzten, die noch völlig auf sich allein gestellt vor Tripolis für ihr Vaterland kämpften. Nein, es geht nicht – wie von den deutschen Kriegstreibern gebetsmühlenartig behauptet – darum, dass der Zar die imperiale Sowjetunion restituieren will. Das ist ausgemachter Schwachsinn – ersonnen für Idioten! Es geht darum, dass die Wasps der amerikanischen Ostküste und die Yuppies der Westküste ihren Wohlstand noch eine Weile erhalten können. Von Marthas’s Vineyard bis Malibu, von Long Island bis an die Pacific Palisades sollen ihre hirnlosen Gaken noch weiter an ihren Swimmingpools herumlungern und ungestört geistloses Zeug absondern können. Dafür sollen wir im atomaren Feuer verglühen und für nichts anderes. Je nun – das gilt nicht etwa in den Zentralstaaten der USA, für die Hillibillies, Rednecks oder die verlorenen Seelen des Rusty- und des Bible-Belts, die meistenteils auf Dritte-Welt-Niveau umherdümpeln. Die sind für die Washingtoner Strategen nur bezüglich ihrer Wahlmasse interessant. Der Wohlstand der reichen Amerikaner steht zur Disposition und wenn sie nicht bald aktiv werden, dann werden sie die Unterhaltskosten für ihre Flugzeugträger nicht mehr bezahlen können. Wenn das der Fall ist, dann fällt auch bald die Pool-Heizung für ihre Bikini-Gaken aus. Das aber darf nicht gestehen. Für 85 °F Wassertemperatur muten sie also ganz Europa schon mal 100 Millionen Grad Celsius zu, welche die wenigsten von uns Europäern überleben dürften. Wir gehen davon aus, dass dann auch diese anmaßenden „Dorfschulzen“ samt ihres galoppierenden Wahnsinns verdampfen. Aber was nutzt das, wenn nur wir uns darüber im Klaren sind! Ein Generalstreik und eindeutigere Wahlergebnisse zugunsten von Leuten, die ähnlich denken, könnten der Welt noch ein bisschen Aufschub gewähren. Doch wir sind da pessimistisch: Geht man nämlich davon aus, dass der Oktober 1963 ein Sechser im Lotto war, dann sollte man sich die Frage stellen, wie oft jemand zweimal hintereinander gewinnt. |
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| 33. Volumen |
©B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2003 16.05.2026 |