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Dziękuję, Polska oder Groß Schimnitz macht Mut
Zweisprachige Ortsnamen in Oberschlesien

Don M. Barbagrigia
Breslau. Da will man also, von Krakau kommend, kurzzeitig die tadellose polnische Autobahn nach Breslau verlassen, um dem schönen Oppeln und seiner Umgebung einen Besuch abzustatten. Und dann rührt den deutschen Autofahrer schier der Donner! Die Chaussee nach Oppeln quert ein paar Kuhbläken, die an und für sich nichts besonderes zu bieten haben, außer die – Ortseingangsschilder!

Sie sind zweisprachig! Das ist eine Sensation! Und nun jagen wir mal all die bekloppten Revanchisten zum Teufel, die nun Morgenluft wittern! Nein, hier geht es um etwas anderes: Die schöne Provinz Schlesien war seit Jahrhunderten ein Zankapfel zwischen Habsburg und Preußen, Polen und Böhmen, Deutschland und Polen ... das war ja alles nicht mehr feierlich.

Der letzte Weltkrieg, der mit einem verbrecherischen und durch nichts entschuldbaren Überfall des Deutschen Reiches auf Polen begann, führte dazu, dass die deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße zum größten Teil an Polen fielen. Schlecht genug kamen die armen Polen bei dieser schäbigen Nummer weg. Gemessen an den ungeheuerlichen Verbrechen an diesem Volke, begangen durch die deutschen Nazis und – Gott sei's geklagt – eben auch durch die Sowjetunion, wurden die Polen in einer Schabbigkeit abgefunden, die ihresgleichen sucht. Für ihre von der Sowjetunion geraubten fruchtbaren Kornkammern in Galizien und Wolhynien bekamen sie ein bisschen märkischen Sand und ein paar unbedeutende Häfen an der Ostsee.

Die Polen hätten allen Grund, ihre deutschen Nachbarn bis ans Ende aller Tage zu hassen. Und lange Zeit taten sie das auch. Im Kollektiv sozusagen. Alles, was mit den deutschen Hunden zu tun hatte, war mit einem eisernen Tabu belegt und die Geschichte der deutschen Ostgebiete sowieso. Alles nachvollziehbar.

Und jetzt geben die Polen ihrem Dörfchen Zimnice Wielkie, in dem nicht nur Deutsch als zweite Amtssprache eingeführt wird, seinen deutschen Namen als gleichberechtigten zweiten Namen zurück. Bei vielen schlesischen Ortschaften geht das so sukzessive seit über zehn Jahren. Es ist ein Wunder.

Der Preußische Landbote will keinen Landrat in Oppeln – er ist mit dem Wojewoden absolut zufrieden. Da soll kein Pole sein Häuschen mehr verlieren, sein Land oder seine Existenz. Nein, es geht um etwas ganz anderes. Es geht darum, dass Schlesien zu einer Region Europas wird. Und wir fordern dasselbe für die wendischen Siedlungsgebiete westlich von Mütterchen Oder. Es geht darum, dass Schlesien nicht mehr länger Habsburg oder Preußen, Polen oder Deutschland, Hinz oder Kaczmarek ist. Es ist das beste Stück Europa. Es ist Versöhnung, überwundenes Leid – es ist etwas Gemeinsames. Es ist das wahre schlesische Himmelreich! Dziękuję, Polska! Danke Polen! Danke, für diese Großherzigkeit, für diese wahrhaft edle und souveräne Geisteshaltung. Das Elsass und Lotharingen können viel von euch lernen – und das Deutsche Reich am allermeisten. Wir stehen in eurer Schuld! Dziękuję!

25. Volumen
© B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2009
17.09.2016