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Zar Wladimir gewinnt die „Wahl“
Eine teure Farce garantiert Russland das Überleben

Kotofeij K. Bajun. Havelsee. Hast also wieder mal die Wahl gewonnen, Väterchen Zar! Na ja, da gratulieren wir auch recht artig. Nu, einen Stolitschnaja drauf und dann lachen wir uns beide einen Ast! Du Gannef!

Väterchen, die Wahl hätten wir uns auch schenken können, nicht wahr? Das war doch eine Farce – und dass sie das sein würde, das wussten wir vorher. Wofür diese Narrenpossen? Für den Westen? Blödsinn! Die kaufen dir das mit Fug und Recht eh nicht ab und das wussten wir alle lange vorher. Eine Maskerade für den Westen wäre auch völlig überflüssig, weil Byzanz nun mal nicht der Westen ist. Mütterchen Russland muss daher auch nicht mal ansatzweise so tun, als wäre es so eine Art Abziehbild des Westens. Was soll diese Anbiederei an westliche Gepflogenheiten, die aufgrund ihrer wahlarithmetischen Akrobatik nicht ein Fitzelchen gehaltvoller und demokratischer sind, als dieses Moskauer Kasperletheater?

Also für wen diese Schmierenkomödie? Für die eigenen Russen? Na, die werden sich bedanken für so viel Schwachsinn. Väterchen, Hand auf dein steinernes Herz – wozu braucht’s im Russland unserer Tage eine Wahl? Weil sie turnusgemäß dran ist? Weil wir eine Fassade von Demokratie aufrecht erhalten wollen? Lass doch den teuren Unfug! So was steht dir nicht! Das passt einfach nicht zu dir.

Du und wir, Väterchen Zar, wir kennen Russland. Wir sind keine endlos bescheuerten, bildungsfernen Wessis, die keine Ahnung vom Dritten Rom, von der Tochter des Großen Byzanz haben, von des Unheiligen Wladimirs Reich, dessen Zar du, der Namensvetter, heute – Gott sei’s gepfiffen und getrommelt – bist. Wir sind keine Wessis, die so prunzdämlich sind, dass sie Uncle Sam jede irrsinnige Idiotie aus der Hand fressen.

Wir wissen, dass Mütterchen Russland wieder und wieder und zum tausendsten Mal in seiner Geschichte ein tödliches Messer an der Kehle hat, ein Messer in der Hand jenes Verbrecher-Uncle Sam, des übelsten Sherrifs, den diese Welt jemals ertragen musste.

Um dieser tödlichen Bedrohung standzuhalten, bedurfte Mütterchen Russland in all den tausend Jahren seiner Geschichte schon immer solcher ruchloser Kraftkerle, wie du einer bist: Wladimir, Juri der Mongolen-Arschkriecher, Iwan IV., Peter der Große, Alexander, Lenin, Stalin, Nikita … Gott, was für Höllenhunde – das ist eine Ahnengalerie, was? Aber ohne diese wäre Russland verloren gewesen. Das ist so sicher wie das Amen in der Basileus-Kathedrale. Dein Porträt wird in dieser Galerie eines Tages kaum abstechen und trotzdem werden die russischen Brautpaare nicht unrecht daran tun, ihre Brautsträuße auch an deinen Denkmälern niederzulegen.

Väterchen, du bis ein Sohn Leningrads – und wer eine Leningrader Kommunalka überlebt, der hat ganz brauchbare Chancen, sogar den Kreml zu überleben. Wer aber den Kreml überlebt, zählt zu den härtesten Hunden dieser Welt. Dagegen sind die Navy-Seals hilflose Gummibärchen. Nur solche und wirklich nur solche Bogatyrs können Russland noch schützen; nur solche, die bereit sind, die schwarzen Witwen aus Grosny und ihre Galane ohne Duma-Resoultion „vom Scheißhaus runterzuprügeln“ und die ihren Feinden keine Atempause gönnen, egal, in welchen Löchern sie sich verkriechen.

Väterchen Zar – du bist ein Schwerverbrecher vor dem Herren – wie einst der König David, der die Juden zu einer Nation schmiedete, die dreitausend Jahre später selbst die perfekteste und perfideste Mordmaschine der Welt überstand. DAS ist das Verdienst des Goliath-Töters, der kein Verbrechen unter der Sonne ausließ. Um dieses einen Verdienstes willen aber ist sein Lumpen-Terror-Regime für alle Zeiten gerechtfertigt. Und um jeden geretteten jüdischen Lebens willen danken wir Gott für David – diesen Erzgauner, diesen Erzschelm, Ehebrecher, Sohnesmörder, Erzverräter, dieses gekrönten und gesalbten Satansbratens.

Und für jedes russische Leben, das du bewahrst, danken wir Gott dafür, dass er dich kraftstrotzenden Schuwiak auf den Kremlthron gesetzt hat, als Russland, als die Welt deiner am Dringengsten bedurfte. Einzig und allein einer wie du ist in der Lage, den Yankees zu zeigen, dass Russland noch weit davon entfernt ist, hilflos am Boden zu liegen und diesen Raubrittern aus der Wüste Nevada seine Bodenschätze zu überlassen.

Die Aftervasallen Uncle Sams kochen vor hilfloser Wut – das ist ein gutes Zeichen. Hast also wieder mal deine „Wahl“ gewonnen. Wir lachen immer noch. Nu lass es gut sein und fahr deinen Kurs. Und wisse, Väterchen Zar, dass wir deiner Majestät stinkgram sind, weil du es mit den Nachtwölfen hältst und mit den erzreaktionären, orthodoxen Klerikalfaschisten und deiner korrupten Drecksbojarenbande … Hast du das wirklich nötig – so ein Ungetüm, wie du bist? Du trittst das Andenken der Sowjetunion mit Füßen, Gorinnytsch, und küsst die Knochen von Nikolaus und seiner Sippe – bist du völlig verrückt geworden? Was glaubst du, wärst du Leningrader Proletenjunge diesen blaublütigen Vampiren wert gewesen? Auch dich hätten sie zusammenschießen lassen, wenn du dich vor Hunger gekrümmt und Deinem Mütterchen beim Verrecken zugesehen hättest. Ist das Politik? Ein kurzes Gedächtnis? Ach, du Halunke! Du fürchtest Gott nicht – du tust nur so!

Und mach dem ukrainischen Elend endlich ein Ende! Wir, Väterchen, sind das, was du mal warst, du Teufel – wir, die Strelitzen und Opritschniki des Kremls, sind und bleiben Sowjetmenschen, bis wir unseren letzten Atem verröcheln. Jede Quadratwerst kaputt gebombten sowjetischen Bodens lässt unsere Herzen bluten. Jage die Faschisten und ihre Yankee-Hintermänner aus dem ukrainischen Land – und dann bring Kiew den Frieden zurück! Kiew ist die Mutter der russischen Städte – das darfst du nicht vergessen. Bekreuzige dich soviel du willst, Majestät, wenn dir die Kameras über die Schulter schauen, aber wage es nicht, Gott zu verhöhnen! Der ist noch über dir! Sei dir dessen stets bewusst.

Wir gratulieren dir zu keiner gewonnenen Wahl. Das war keine Wahl, das war ein blödsinniger Mummenschanz. Aber wir gratulieren dir, dass du noch am Leben bist und Russland noch immer schützt. Und wir lassen dich nicht fallen, du gottloser Spitzbube von einem Zaren, der du in einer Reihe stehst mit den Größten deiner Vorgänger. Möge dich Gott uns noch lange erhalten! Uns und der Heiligen Russischen Erde! Amen.

29. Volumen
© B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2003
17.04.2024