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Stasi gebiert ihre Kinder
Lidl, Deutsche Bahn und Telekom – das Spitzeln geht weiter

J.-F. S. Lemarcou
Die Spitzelvorwürfe gegen den rosa Riesen reisen nicht ab. ...ja, ja, ich weiß, sie selbst bekleiden sich mit einem vornehmen Magenta. Das sind doch wohl nicht die selben Kanaillen, die seit nunmehr zwanzig Jahren landauf, landab unentwegt die Moritat von dem erschröcklichen Schreckgespenste der Stasi durch die deutschen Gauen tönen? Doch, sind sie. Sie, die statt wie Lidl die Geringsten ihrer Angestellten, oder die Deutsche Bahn das ganze Spektrum der Belegschaft, ihrerseits jüngst ihre zukünftigen Leitungskader aufs observierende Korn nehmen und sogar deren sexuelle Vorlieben auskundschaften, posaunen auf Festreden noch immer von den Werten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung – während sie sich als gelehrige Schüler und wahre Landsleute des einstigen Schild's und Schwertes der Partei erweisen. Das ist Chuzpe. Aber nicht nur. Es ist auch der unumstößliche Beweis für die Gleichheit aller Menschen im charakterlichen Sinne – nee, nicht doch, nicht was Sie seit den Tagen der Guillotine möglicherweise unter Égalité verstehen.
Es ist der immer gleiche Nackte Raubaffe, der die Geschicke seiner Mitmenschen hüben wie drüben nach den ewig gleichen Prinzipien zu lenken und vor allem zu steuern sucht. Und egal, wie sie sich voneinander abzugrenzen bemüht sind, wie sie den anderen, den Kommunisten als beinahe grundverschiedene Spezies deklarieren, sie sind allesamt aus demselben Holz. Der „VEB“ DDR auf dem Boden eines Teils des alten Preußen – wir erinnern uns: das war diese Armee, die sich einen Staat leistete – war so gesehen ein „sozialistischer“ Betrieb, der konsensuell ebenfalls ein Staatsgebilde unterhielt. Nun gut, es wäre verfehlt heute zu behaupten, ein einzelner Konzern hätte die Bundesrepublik komplett und als Ganzes in der Hand. Gemäß der Tradition deutscher Kleinstaaterei und Duodezfürstentümer teilen sich viele große und kleinere Firmen diesen Staat. Und sie bestimmen wo's langgeht. Wenn Herr Schäuble die bürgerlichen Freiheiten auf den Kehrrichthaufen der Geschichte zu werfen hat, dann tut er das tunlichst umgehend – oder eben es macht ein anderer für ihn. Aber gemacht wird es und Amen! Auf dem Misthaufen landen sie, garantiert.
Hätte es in den fetten Jahren Ausgangs des letzten Jahrhunderts solche Spitzelskandale gegeben, ein schriller Aufschrei hätte durch die Gauen des Reiches gehallt, gefolgt von einem Tsunami der Empörung, von dem die Verantwortlichen sprichwörtlich atomisiert worden wären. Vorbei, vorbei. Michel zieht sich die Zipfelmütze ins Gesicht und stöhnt wie ein alter Jüd mit Lateinkenntnissen: au wei, au wei, oi gewalt, o tempora o mores. In der Havelstadt Brandenburg wird derzeit das Hallali auf Ilona Friedland geblasen, einer sehr fähigen Geschäftsführerin diverser Wohnungsbaugesellschaften und Angehörigen der Partei der Linken. Ilona hatte zu den Zeiten der unselig verflossenen DDR für das Ministerium für Staatsicherheit gespitzelt und dafür als IM Monika Geldzuwendungen kassiert. „Das ist doch wohl die Höhe...!“ Ist es, zugegeben. Aber nun sollten wir unsere fröhliche Jagdgesellschaft – dem Text der alten DDR-Hymne folgend – der Zukunft zugewandt auf neue jagdbare Waidstücken einstimmen. So fordert der Preußische Landbote vehement, alle zukünftigen Funktionsträger des öffentlichen Raumes auf eine ggf. ehemalige Mitgliedschaft oder Lohnabhängigkeit bei der Telekom, der Deutschen Bahn und Lidl zu überprüfen. Die Gedenkstätte Hohenschönhausen zu Berlin ist um ein Gebäude- und Ausstellungstrakt zu erweitern, der sich mit den Opfern der modernen Spitzelei befasst. Über dem Eingangsportal möge der Spruch prangen: Freiheitlich-Demokratischer Wessi, der Du Dich über Deinen Zuträger-Bruder von jenseits der Elbe aufregst – halte inne und sieh in diesen Spiegel!“ Ob's was brächte? Ach i wo. Denken Sie etwa, der Landbote glaubt noch an den Weihnachtsmann?

14. Volumen
© B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2009
21.05.2009